Wir zeigen an!

Alles begann am 25.07.2020, als NGOs nach Tulln fuhren um dort ein Roma-Fest zu besuchen. Aufmerksam wurde der Verein Newo Ziro darauf, dass ein hetzerisches Video sich auf Facebook rasant verbreitete. Die Telefone des Vereins liefen heiß. Natalie Weinrich, Geschäftsführerin vom Verein Newo Ziro, war plötzlich mit großen Ängsten der Community konfrontiert. Nicht nur die Roma/Sinti in Tulln, sondern auch die gesamte Community waren besonders geschockt, als auch FPÖ-Politiker begannen, das Video zu kommentieren und zu teilen. Deswegen setzt die Community nun ein „Zeichen gegen rechts“ mit einer weiteren Anzeige. LEBENSZEICHEN!, Newo Ziro, Hango Roma und Roma Service schliessen sich der Anzeige von SOS- Mitmensch an.

Roma/Sinti in Österreich: Beim Beten bedroht

An der Einfahrt zur großen Wiese fällt ein Schild ins Auge: „Jesus rettet“ steht dort. Dahinter reihen sich 150 geräumige Wohnwagen um ein Festzelt. An der Südumfahrung Tulln am Stadtrand sind rund 600 Sinti und Roma zu einer christlichen Zeltmission zusammengekommen. Diese offene Veranstaltung, zu der jeder kommen kann, ist für Roma und Sinti auch eine Chance, sich als wichtigen Teil der Gesellschaft zu präsentieren.

Stellen Sie sich vor, Sie sind Teil einer französischen christlichen Gemeide, die jährlich ihre religösen Feste hier feiert. Zu Hause besitzen sie ein Haus, in dem ihre ganze Familie wohnt. Sie arbeiten in ganz Europa, sprächen oft mehr als Vier verschiedene Sprachen und fahren jedes Jahr von Frühling bis in den Herbst zu den Treffen der christlichen Gemeinden. Große Familien kommen hier mit hohem Aufwand zusammen, es herrscht eine fromme Stimmung. Abends trifft man sich in einem großen, festlich beleuchteten Zelt. Dort beten alle gemeinsam mit dem Pastor. Alkohol gibt es hier keinen, denn bei diesem Fest der “freien Christen” herrscht striktes Verbot. Es gibt auch eine strenge Garderobenpflicht: die Männer sind alle in festliche Anzügen, die Frauen tragen alle ihre besten Röcke.

Draussen spielen die Kinder miteinander oder sind mit den Verwandten im Festzelt oder beim Caravan. Alles ist sauber und alle Wägen sehr gepflegt. Dafür sorgen die Frauen tagsüber. Man besucht sich untereinander und trinkt gemeinsam köstlichen Kaffee. Seit mehreren Generationen kommen sie hier schon zusammen und die Geschäftsleute gehen auch ihren Berufen tagsüber nach. Die einen bieten Fassadenreinigungen an, andere sind Schausteller, die große Luftburgen für die Kinder und Familien von Tulln aufbauen. Dafür haben Sie alle notwendigen Papiere. Sie besitzen eine österreichische Steuernummer (Stadt Graz), denn Sie sind es gewohnt, diese stets täglich vorzuweisen.

AUF IN DEN KAMPF GEGEN RASSISMUS

Roma/Sinti raus aus Tulln!?

Nach Ihrer Ankunft beginnt eine plötzliche Unruhe rund um Ihren Aufenthalt in Tulln. Es kommt zu einem Angriff mit einem Feuerwerkskörper gegen über den Campingplatz-Bewohnern. Sie holen die Polizei die alles dokumentiert. Seit Jahren kommen Sie hierher, doch in den letzten zwei Jahren hat sich etwas verändert: Sie fühlen sich nicht mehr so willkommen wie früher.

Was Sie nicht wissen: Es kommt während der zweiwöchigen Veranstaltung zu vielen Falschmeldungen durch Medien und plötzlich wird ein Video im Netz auf Facebook geteilt: Man sieht darauf Ihren Campingwagen und ein Mann spricht dazu: „So meine Freunde, jetzt schick ich euch einmal was. Des is a Live-Bericht von mir. Des is weder weitergschickt oder sonst was. I bin in Tulln. Da stehen ungefähr  so 150, 200 Wohnwägen von den Zigeuner, inklusive Veranstaltungszelt. Schauts da sehts es, Zeltverleih gö, da ist a Veranstaltungzelt. Da tans jeden Tag auf Nacht Partys feiern. Wahrscheinlich, die Arschlöcher, die Anbrennten, ja. So schauts aus in Österreich, meine Freunde. Schauts euch des an. Is des schee, ha? Campingplatz live in Tulln. Nur Zigeuner unterwegs da.  Ja schauts euch das an. Schauts was da los is. Hucken beinander tan grillen, tan feiern, tan Partys machen. Der Österreicher muss Maskentragen im Supermarkt, schauts euch des an. Was da los ist! Scheißen in die Staudn, brunzen überall zuwe, da Mist liegt umanand. Live aus Tulln, ja jetzt grad fahr i da. Wahnsinn ist des, ein Wahnsinn! Da schauts amal, es nimmt kein Ende, super ist des in Österreich, weit hamas bracht, mei Lieber. Pfiat euch Gott. Mahlzeit.”

Tage später wird das Video auch von Stefan Hermann, einem steirischen FPÖ-Landtagsabgeordneten, im Umlauf gebracht: Mehrere Hunderte teilten, kommentierten und markierten den Beitrag mit einem “Daumen hoch”.

Bis zur Abfahrt sind Sie nun Teil eines “öffentlichen Menschenzoos”: Immer wieder fahren fremde Autos vorbei und fotografieren ungefragt und ungewollt. Ihre Familien, Ihre Autos und Ihre Kinder. Was mit den Fotos passiert, wer hier durchfährt und Videos macht, wissen Sie nicht. Sie würden sich freuen, wenn an Ihrem Glauben Interessierte bei der öffentlichen Veranstaltung vorbeischauen und Sie als Mensch auf Augenhöhe begrüßen. Sie wünschen sich, dass sie nicht wegen Ihrer Herkunft oder Hautfarbe wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden.

Sündenböcke in der Corona-Debatte

Der Österreicher muss Masken tragen aber die „Zigeuner“ müssen es nicht und feiern „Coronapartys“. Unzählige von diesen Kommentaren findet man unter dem hetzerischen Video. Was gesucht wird ist klar: Ein Sündenbock für die Corona Krise.Auch der Tullner FPÖ-Politiker Andreas Bors hetzt gegen die Minderheit im Netz: “Während unsere Vereine sowie Freiwilligen Feuerwehren keine Veranstaltungen abhalten dürfen, ist eine große Roma/Sinti-Coronaparty im Festzelt offensichtlich kein Probem!”

Obmann Simon Bordt-Weinrich von Newo Ziro meint dazu: “Zuerst wars die jüdische Weltverschwörung, dann Bill Gates und jetzt müssen halt die Sinti und Roma für den Kampf gegen die Coronaregeln der Regierung herhalten. Zuerst einmal sei zu erwähnen, dass vor der Anfahrt bis zu zwei Tagen vor der Abreise in ganz Österreich keine Maskenpflicht galt. Zweitens wurden die meisten Veranstaltungen “Open-Air” abgehalten und drittens wurden auch alle hygenischen Maßnahmen umgestetzt. Es kam auch laut Polizei zu keinem einzigen bekannten Verstoß gegen die Covid-Maßnahmen, weder am Campingplatz, noch sonst irgendwo rund um Tulln. Im Grunde also wieder eine Hasswelle auf die der ein oder andere wieder mit drauf springt. Es war schon immer der einfachere Weg jemanden als Sündenbock zu diffamieren, anstatt Solidarität zu zeigen.”

Auffällig ist, dass die ganze Geschichte vor der Wien-Wahl im Oktober 2020 richtig Aufwind bekommt. “Es wird wieder mit Hetze gegen Minderheiten Politik vor einer wichtigen Wahl gemacht. Auf der Jagd nach Wählerstimmen werden dann vermehrt rassistische Sprüche hervorgeholt. Statt mit sachlicher Politik wird auf tiefstem Niveau mit dem Wahlvolk umgegangen. Man verkauft diese für dumm mit Falschmeldungen und schlecht recherchierten Berichten. Dies ist auch leider kein Einzelfall. An die Rolle der Sündenböcke in rechten Kampagnen haben sich Roma und Sinti in Österreich leider schon gewöhnen müssen. Dagegen treten sie jedoch mittlerweile vehement auf und wehren sich. Wir unterstützen sie dabei.“ so Nadine Papai, Obfrau von Lebenszeichen.

Was ist eigentlich wirklich passiert?

Unsere Recherche ergab folgende Chronologie der relevanten Ereignisse:

  • 12.07.2020 Ankunft von Caravans in Tulln

    Die religiöse Veranstaltung wurde vorab bei den Stadtbehörden angemeldet. Es reihen sich die ersten Caravans auf der großen Wiese ein. Es werden von der Stadt sanitäre Anlagen zur Verfügung gestellt.  Diese wurden vorab bezahlt, sowie auch die Entsorgungskosten des anfallenden Mülls.

  • 12.07.2020 –  15.07.2020 Diverse Vorfälle

    Es kommt zu den ersten Spannungen zwischen der Bevölkerung von Tulln und der religiösen Gemeinde. Die teuren Autos der Minderheit führen zu Fragestellungen: “Wie können die sich sowas leisten? Das kann ja nicht mit rechten Dingen zugehen.” Das dahinter hart arbeitende Menschen stehen, die Steuern in Österreich bezahlen, weiß keiner. Wie jedes Jahr bieten Roma und Sinti wieder verschiedene Dienstleistungen legal an.

    Die Situation spitzt sich zu – es kommt zu dem ersten Angriff auf die Gemeinde. Ein Feuerwerkskörper wurde neben einen Wohnwagen geworfen. Man ist froh, dass keiner dabei verletzt wurde und man macht eine Anzeige bei der Polizei.

  • 16.07.2020, 22:22 Erster Bericht erscheint in der HEUTE-Zeitung

    Der Beitrag in der HEUTE-Zeitung ist der erste zu dem Thema. Die Veranstaltungsbetreiber werden offenbar nicht befragt- der Sinn und Zweck der Veranstaltung von Tulln bleibt verborgen. Man spricht von Massencamping und Verstöße gegen die Corona-Regeln.

    Die Zeitung zitiert den FPÖ-Politiker Bors: “So kann es nicht weitergehen! Wer die Gastfreundschaft der Stadt mit Füßen tritt, hat sein Gastrecht verloren”, so FPÖ-Gemeinderat Andreas Bors. Er kritisiert auch, dass die Roma und Sinti Arbeiten im “Pfusch” anbieten würden. Bedenken hat der Freiheitliche auch wegen des Coronavirus. “Veranstaltungen und Zusammenkünfte größerer Menschenmengen werden momentan nur unter strengen behördlichen Auflagen zugelassen. Unter diesem Hintergrund ist es umso unverständlicher, dass hier ein Massencamping ohne grundlegende Hygienestandards von der Stadtgemeinde genehmigt wurde. Es gibt dort weder Sanitäranlagen noch fließendes Wasser. Wer übernimmt dafür die Verantwortung?”, will er wissen.

    https://www.heute.at/s/wohnwagen-stadt-von-fahrendem-volk-sorgt-fuer-aerger-100092331?fbclid=IwAR1ZB54wHp624oWJt_dv8vfIOdk07Q76OlwOtw3K4xuiAUnzpzlLRWmdwvE

     © Bezirksblätter, Kurier 16.11.2017

    Unsere Recherchen zeigen Bors mit Hitlergruß!

    2014 veröffentlichtes Jugendfoto, das ihn in einer Hitlergruß-Pose zeigt, sorgte damals für Aufregung. Wer wagt es denn nun Bors einen Rassisten zu nennen? Sabrina, eine Sintiza aus Wien meint dazu: “Bilder sagen mehr als tausend Worte”.

    Bors hielt dazu “ausdrücklich fest, dass alle strafrechtlichen Vorwürfe gegen meine Person ins Leere gehen.” Weiters betonte er, jegliche Form von Extremismus abzulehnen und sich persönlich vom Gedankengut der NS-Diktatur zu distanzieren – “das ist für mich eine Selbstverständlichkeit”. Umso mehr bedauere er, in der Vergangenheit durch eine einzige unüberlegte Handlung Anlass dazu gegeben zu haben, “mich in die Nähe jener Ideologie bringen zu lassen, die ich zutiefst ablehne. Könnte ich dieses Verhalten ungeschehen machen, ich würde es sofort tun, um auch so meine lupenreine demokratische Gesinnung umso eindrucksvoller und unmissverständlich zum Ausdruck zu bringen”, so Bors.

  • 20.07.2020 Tullner Bezirksblatt titelt “Kritik an Massencamping”

    Noch immer wird der eigentliche Zweck des Treffens von den Medien nicht erwähnt bzw gar nicht erfragt. Die Stadt Tulln meint dazu, dass man bereits im Vorfeld einiges abklären konnte und man sei bemüht, einen Konsens zu finden. Daher wurde nach Lösungen betreffend Wasser und Müll gesucht, Tanks und Tonnen aufgestellt, das Geld dafür zum Teil im voraus kassiert. “Sie halten sich an die Coronaregeln, etwa auch, wenn sie im Hallenbad sind”, weiß Holzschuh. Denn wäre das so nicht, dann “würden wir sie rauswerfen”. Klar müsse den Tullnern auch sein, dass sie Geld bringen und die Wirtschaft: “Sie gehen einkaufen und tanken auch bei uns”, so Holzschuh, dass man bei der Diskussion auch die geltenden Menschenrechte bedenken sollte. Und auch, dass das Thema nichts mit Politik zu tun habe.

    Die falsche Darstellung von Andreas Bors wird erneut zitiert, von einer Anzeigenflut bei der Polizei ist die Rede. Eine Anzahl der Anzeigen, welche eine “Flut” verdeutlichen, wird nicht genannt.

    https://www.meinbezirk.at/tulln/c-lokales/kritik-an-massencamping_a4155495

  • 21.07.2020 Unzensuriert berichtet von “hunderten” Roma und Sinti

    Diesmal sind zwar mehr Wägen als erwaret bei der angemeldeten Messe in der Stadt Tulln angekommen, jedoch waren es nicht mehr als 150. Wieder wird der Zweck der Veranstaltung nicht erwähnt, man spricht lediglich von Roma-Massenlagern und katastrophalen Hygienezuständen. Dabei “haust” man in Wohnwägen und selbstgebauten Baracken. Plötzlich wird die zuvor von Herrn Bors getätigte Aussage an den Bürgermeister der Stadt auch von dem FPÖ-Gemeiderat Herr Peter Eisenschenk im selben Wortlaut zitiert: „So kann es nicht weitergehen! Der Bürgermeister muss durchgreifen! Wer die Gastfreundschaft der Stadtgemeinde Tulln mit Füßen tritt, hat sein Gastrecht verloren“, so der FPÖ-Gemeinderat in Richtung ÖVP-Bürgermeister Peter Eisenschenk.

  • 23. oder 24.07 bis 25.07.2020: Hetzerisches Video wird hochgeladen und mehrfach geteilt

    Der Sinti-Verein Newo Ziro wurde vor allem nach dem Hochladen des Videos auf dem Profil von Robert Bobner aufmerksam und verständigte alle anderen Roma-Vereine. Ob er auch der Macher des Videos ist, ist bisher unklar. Es gilt die Unschuldsvermutung. Auffallend ist lediglich der Kärtner Dialekt des Videomachers. Herr Bobner, selbst Kärnter, ist kein Unbekannter, hat er schon 2017 in der Serie “Die Puffprofis” mitgewirkt.

  • 25.07.2020 FPÖ- Politiker Stefan Hermann teilt das Video mit einem rassistischen Kommentar

    Der FPÖ-Mandatar Hermann behauptete auf Facebook in seinem Posting, dass “auswärtige Roma und Sinti” bei Tulln “ohne Erlaubnis in der Gegend herumlungern” und “in Partyzelten abfeiern” würden, “während bei heimischen Österreichern das Gesetz anstandslos greift”. Zu seinen Aussagen fügte Hermann die besagte Videobotschaft hinzu, in der die Roma und Sinti von einer Männerstimme unter anderem als “Zigeuner”, “Arschlöcher” und “Anbrennte” beschimpft und mehrfach herabgewürdigt werden.

  • 25.07.2020 Lebenszeichen! und Newo Ziro vor Ort

    LEBENSZEICHEN hat sich gemeinsam mit dem Verein Newo Ziro auf den Weg gemacht, den Vorfall vor Ort zu untersuchen. In Tulln angekommen, wurden wir herzlich auf den Campingplatz empfangen. “Von schlechten hygienschen Bedingungen oder Parties konnten wir nichts feststellen. Im Gegenteil: Alles war aufgeräumt, die Menschen in Ruhe bei ihren Wägen oder im Festzelt beim Beten.” so die Obfrau Nadine Papai von Lebenszeichen. “Ein Teilnehmer der Veranstaltung berichtete von einem Übergriff bereits kurz nach der Ankunft auf dem Platz auf die christliche Gemeinde mit einem feuerwerksartigen Geschoss. Dieser wurde bei der Polizei von Tulln angezeigt. Die Polizei hat den Tatort untersucht und etwaige Spuren gesichert.”Wir haben den Betroffen auch dazu befragt und den Einschlag des Geschosses überprüft.” Nadine Papai merkt weiters an, dass der Übergriff auf die Gruppe zu Beginn der Veranstaltung in den Medien leider keinen Niederschlag fand. “Kein einziges uns bekanntes Medium außer LEBENSZEICHEN! hat bisher zu diesem Vorfall berichtet, obwohl er auch polizeilich gemeldet wurde.”

    Laut der Bezirkszeitung Tulln kam es zu einer “Anzeigenflut”. Chefinspektor Josef Gurschl vom Tullner Bezirkspolizeikommando berichtigt, die Anzeigen seien zwar viele. Dahinter sei jedoch nicht viel, die Menschen würden nur Verbrechen vermuten. Bisher gibt es weder bestätigte Fälle von Diebstahl noch Einbrüchen. Bis auf einen Gartenzaun, der um einen Fischteich errichtet wurde. Hier wüden die Ermittlungen laufen. Obmann des Sinti-Vereins Newo Ziro Simon Bordt-Weinrich meint dazu: “Das ist nicht sicher, dass es sich dabei um die Teilnehmer des Events handelte. Polizeilich kann kaum etwas gegen Wildfischerei unternommen werden, weil die Identität der Wilderer praktisch nie feststellbar ist. Wie so oft werden hier die Roma und Sinti ohne Beweise kriminalisiert. Am Ende des Tages bleibt von diesen Anschuldigungen oft nicht viel über außer viele mediale Falschberichte, die meist nicht berichtigt werden. Das stärkt den gesellschaftlich etablierten Rassismus gegen Roma und Sinti.”

  • 26.07.2020 Anzeige von Emmerich Gärnter-Horvath gegen Unbekannt

    Es folgt eine Anzeige des Vorsitzenden des Volksgruppenbeirates der Roma und Sinti von Österreich Emmerich Gärnter-Horvath gegen Unbekannt. Die Polizei ermittelt nun gegen den bis dato unbekannten Videomacher. Hasspostings können verschiedene Straftatbestände erfüllen. Von besonderer praktischer Relevanz ist die Verhetzung (§ 283 StGB), die mit 1. Jänner 2016 umfassend novelliert wurde. Dieser Tatbestand, der verschiedene Verhaltensweisen erfasst, wird HIER näher erläutert.

  • 26.07.2020 Facebookgruppe FPÖ Fails beobachtet

    Laut FPÖ Fails ließ Hermann auf seiner Facebook-Sei­te auch Kom­men­tare mit Gewalt­auf­rufen und offe­nem NS-Sprach­gebrauch un­be­anstan­det ste­hen. So seien dort die Leser­pos­tings „Hans, das MG sofort!!!!!“ und „Zigeuner sind unwertes Leben“  min­des­tens einen gan­zen Tag lang (Stand 26.7.2020, 20 Uhr) nicht ge­löscht worden.

  • 26.07.2020 HEUTE berichtet über eine “scheinbar nicht endenwollende Wohnwagenstadt”

    Dies konnte nach unserem persönlichen Besuch am 25.07.2020 nicht bestätigt werden. Viele der Wägen waren schon abgereist.

    Das Video wurde bereits auch den Medien zugespielt, wie aus dem Artikel hervorgeht: “Heute” bekam jetzt ein Video zugespielt, dass das enorme Ausmaß der Siedlung zeigt. Knapp 200 Wohnwagen stehen der Reihe nach aufgeschlichtet, der Urheber fährt rund eine Minute lang neben den Partyzelten, Autos und Wohnwagen her, bis tatsächlich ein Ende in Sicht ist….Dabei sorgt beim Mann hinter der Kamera (Tonspur im Video wurde gelöscht, weil auch offen rassistische Worte fallen) auch für Unmut, dass die Corona-Regeln für das fahrende Volk offenbar überhaupt nicht gelten. “Hocken beinandern, tun grillen, feiern und Partys machen. Der Österreicher muss Masken tragen im Supermarkt. (…) Ein Wahnsinn ist das”, kommentiert er das Video.

    https://www.heute.at/s/video-zeigt-gigantische-roma-wohnwagensiedlung-in-tulln-100093819

  • 26.07.2020 Abfahrt der Roma- Gemeinde

    Es kam zu keinem nennestwerten Verkehrsaufkommen trotz der angeblichen “Massen an Wohnwägen”;)

  • 27.07.2020 FPÖ ändert ihren medial Auftritt

    Update, 27.7.2020, 16:Uhr: Das rassistische Roma-Video bei FPÖ-Po­liti­ker Ste­fan Her­mann wurde von Facebook in­zwi­schen gelöscht, da es „gegen die Ge­mein­schafts­stan­dards ver­stößt“.

  • 28.07.2020 SOS- Mitmensch Anzeige gegen Stefan Hermann

    SOS Mitmensch hat gegen den steirischen Vizeklubobmann Stefan Hermann Anzeige bei der Staatsanwaltschaft Graz wegen des Verdachts der Verhetzung eingebracht. „Wir haben den herabwürdigenden Postingtext von FPÖ-Vizeklubobmann Hermann sowie das von ihm in Umlauf gebrachte Video mit Hassaussagen und Beschimpfungen gegen Roma und Sinti eingehend geprüft und sind zum Schluss gekommen, dass der Tatbestand der Verhetzung erfüllt sein könnte“, erklärt Alexander Pollak, Sprecher von SOS Mitmensch.

  • 29.07.2020 Standard berichtet über die Anzeige von SOS-Mitmensch

    Die Roma und Sinti sind indessen am vergangenen Sonntag bereits wieder aus Tulln abgereist. Sie hätten sich vor ihrer Anreise bei der Gemeinde angemeldet, seien aber mit deutlich mehr Wohnwägen angereist als vereinbart, sagt der Sicherheitsbeauftragte von Tulln, Christian Holzschuh. Den Platz, der ihnen zugewiesen wurde, hätten die Durchreisenden “ganz in Ordnung” wieder hinterlassen, und der Gemeinde seien auch keine Verstöße gegen Covid-19-Regeln bekannt.

    https://www.derstandard.at/story/2000119035496/anzeige-wegen-verdachts-auf-verhetzung-gegen-steirischen-fpoe-vize-hermann?ref=rss&fbclid=IwAR0uY9WjbUuwnGpoo3qZdrqetSpGyCrurC9bgb-olySJ-2mv59jXXZOwt4w

  • 29.07.2020 Tullner Bezirksblatt setzt Hetze fort mit dem Titel “Roma/Sinti beschmieren Wassertank mit Fäkalien”

    Der Artikel prangert den Umgang eines Wassertanks an, welcher von der Feuerwehr von Tulln zu Verfügung gestellt. Ohne einen Beweis vorzulegen werden wieder direkt die Volkgruppe als Sündenböcke dargestellt.

    Ein User kommentiert den Artikel verärgert:“ War der Tank nach Abreise der Familien unter Aufsicht? Das wäre ein wichtiger Hinweis zu dem Artikel. Ich schließe nämlich nicht aus, dass Gegner des Wandervolkes dieses “Werk” verrichtet haben könnten um Hass zu säen. Meine Großmutter hat mir vor langer Zeit erzählt, dass immer wenn das Fahrende Volk in der Ortschaft war, die Diebstähle massiv angestiegen sind. Es waren aber fast immer die Einheimischen, die die Tatsache der Anwesenheit von Fremden ausgenutzt haben. Warum sollte sich das geändert haben? Es wird immer gegen Hass im Netz und im allgemeinen geredet. Dieser Artikel bietet Stoff für Recherche. Was sagt die Feuerwehr? Was sagt der Familenvorstand der Fahrenden? Gibt es Zeugen? Ohne Antworten auf diese Fragen hat der Artikel für mich das Niveau eines Gassengeplappers.“

    https://www.meinbezirk.at/tulln/c-lokales/romasinti-beschmieren-wassertank-mit-faekalien_a4168140

  • 13.08.2020 Roma-VertreterInnen schließen sich Verhetzungsanzeige gegen FPÖ Steiermark an

    Vertreterinnen und Vertreter der Organisationen Lebenszeichen, Hango Roma, Newo Ziro und Roma Service schließen sich der Anzeige von SOS Mitmensch gegen den stellvertretenden Klubobmann der FPÖ Steiermark aufgrund des Verdachts der Verhetzung an.

Als Lebenszeichen können wir nur an die Gesellschaft appellieren mit offenen Augen durchs Leben zu gehen. Nicht jeder Zeitungsartikel spiegelt die Realität wider oder wird mit der nötigen Sorgfalt von Journalisten recherchiert. Es liegt auch an uns nach Wahrheiten zu suchen und Medien zur Verantwortung zu ziehen, die dieser Sorgfaltspflicht nicht genügend nachkommen. Politiker sind auch dazu da aufzuklären und mitzuhelfen, Vorurteile gegen die Minderheit der Roma und Sinti abzubauen, um diese nicht nur zu unterstützen, sondern vor allem ihnen die Position in unserer Gesellschaft zukommen zu lassen, die Sie verdienen und welche ihnen als Menschen zusteht.

c: LEBENSZEICHEN! – (GFBVÖ) Nadine Papai