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STOPP FGM!

Etwa 95% der somalischen Frauen sind Opfer von weiblicher Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, FGM). Es wird hauptsächlich bei Mädchen im Alter zwischen vier und elf Jahren durchgeführt. Diese traditionelle Praxis ist tief in der somalischen Kultur verankert und es wird allgemein angenommen, dass FGM notwendig sei, um ein Mädchen zu „reinigen“ bzw. können die Mädchen ohne diese Folter nicht verheiratet werden. Asea ist eine Aktivistin gegen FGM aus Somalia. Schon als Kind war sie mit der grausamen Verstümmelung von Mädchen konfrontiert. Hier erzählt sie exklusiv der GFBVÖ über ihre Erfahrungen.

GFBVÖ: Was ist FGM und welche Folgen hat dies für die Mädchen und Frauen in Somalia?

FGM ist die weibliche Genitalverstümmelung. Man kennt 3 Arten der Verstümmelung, wobei die invasivste Praktik die sogenannte „pharaonische“ Beschneidung ist. Hier werden Teile der vollständigen kleinen Schamlippen entfernt und dann die großen Schamlippen wieder zusammengenäht. Über der Harnröhre und der Scheide wird einer eine kleine Öffnung für Urin und Menstruationsblut belassen. Unmittelbar nach dem Eingriff kann es zu schweren Blutungen, Entzündungen, Tetanus, einer Blasenlähmung oder zur Blutvergiftung kommen. Die Beine des Mädchens werden von der Hüfte bis zu den Knöcheln für bis zu 7 Tage zusammengebunden, damit die Wunde heilen kann.

In Somalia werden die Mädchen im Alter zwischen 4 und 11 Jahren beschnitten. Weibliche Genitalverstümmelung hat gravierende physische und psychische Auswirkungen. Die Mädchen können sich oft nicht an die Beschneidung selbst erinnern, da sie so jung waren. Später als Frau bemerken sie erst was passiert ist, z.B. bei der Hochzeit oder einer schmerzhaften Geburt. Ab dann sind sie traumatisiert. Sie müssen dann die Schmerzen ihr Leben lang ertragen.

GFBVÖ: Warum tut man Frauen sowas an?

Man macht das wegen der Tradition der Reinheit. Frauen gelten nur dann als heiratbar, wenn sie Jungfrauen sind. Uns hat eigentlich niemand erklärt, was diese Tradition bedeutet. Es heißt, man muss beschnitten sein als Jungfrau, sonst ist heiraten nicht möglich. In Somalia ist es nicht üblich, dass Frauen über 20 Jahre unverheiratet sind. Wenn dies der Fall ist, übt das gesamte Dorf Druck auf die Eltern aus, um möglichst schnell einen Mann zu finden.

GFBVÖ: Und wer führt die Beschneidung durch?

In Somalia ist die Beschneidung offiziell nicht erlaubt. Deswegen wird dies nicht in Krankenhäusern durchgeführt, sondern illegal zu Hause. Den Schnitt machen traditionelle Frauen, die keine ausgebildeten Ärztinnen sind.

GFBVÖ: Somalia ist ein islamisch geprägtes Land. FGM wird auch in manchen islamischen Gesellschaften durchgeführt. Hat das was mit dem Islam zu tun?

Manche behaupten das, aber nein, das hat nichts mit der Religion zu tun. Das islamische Gesetz schreibt die Beschneidung vor allem für Männer vor, aber FGM ist eine alte Tradition. Sie ist in ganz Afrika verbreitet.

GFBVÖ: Gibt es denn Projekte in Somalia, die den Frauen und Mädchen helfen?

Derzeit gibt es nur wenige Projekte, die den Mädchen in Somalia helfen. Oft werden die beschnittenen Mädchen und Frauen auch nicht identifiziert. Man kann sich nicht öffentlich gegen FGM aussprechen. Man bekommt zuerst Probleme mit der Familie, später auch mit den religiösen Ältesten der Gemeinde. Frühere Projekte wurden von der somalischen Regierung und der Women’s Democratic Organization unterstützt und 1992 gab es sogar Gesetzesvorschläge, die FGM verhindert hätten, welche jedoch scheiterten.

GFBVÖ: Gibt es viele beschnittene Frauen oder Mädchen aus Somalia, die in Österreich leben?

Ja, natürlich gibt es viele, die hier in Österreich leben und beschnitten sind. Die meisten sind geflüchtete Mädchen aus Somalia, die auch hier noch mit den Nachfolgen der Beschneidung leben müssen.

GFBVÖ: In Österreich ist das doch verboten? Wie funktioniert das?

Obwohl es verboten ist, hat Österreich nichts für diese Mädchen und Frauen getan. Außerdem schicken viele somalische Eltern ihre Töchter nach Somalia zur Beschneidung. Die, die nicht extra nach Somalia fliegen, finden auch in Österreich illegale Wege, um die Mädchen beschneiden zu lassen.

GFBVÖ: Wie ist das in anderen europäischen Ländern?

In den meisten Ländern ist es direkt oder indirekt verboten. Es schaut aber niemand darauf, ob die Gesetze eingehalten werden.

GFBVÖ: Wie bist du dazu gekommen, Aktivistin zu werden?

Ich und meine Freundinnen in meinem Alter waren nicht wie andere somalische Mädchen und wollten diese verrückte Idee der Beschneidung ändern. Es geht aber immer nur hin und her – Veränderung ist nicht so einfach zu erreichen. Leute fragen mich, wieso ich gegen FGM bin und ob ich nicht christlich oder islamisch bin. Meine Antwort lautet: ich bin gegen diese Schmerzen, die diese Mädchen ein Leben lang ertragen müssen. Jetzt wo ich in Österreich lebe, will ich, dass die Beschneidung in Somalia und von den Kindern, die in Österreich auf die Welt kommen, aufhört.

GFBVÖ: Hast du deswegen Probleme in Österreich?

Ja, ich habe viele Probleme. Nicht nur wegen FGM sondern auch weil ich kein Kopftuch trage, weil ich wie ein Junge aussehe oder weil ich nicht wie andere somalische Mädchen lebe. Immer wieder werde ich angegriffen – auch körperlich.

(Interview vom 07.03.2018 im GFBVÖ Office mit Nadine Papai und Hannah Borne)

Profil von Asea

JEDES EINZELNE MÄDCHEN IST ES WERT, VOR DIESEM GRAUSAMEN SCHICKSAL BEWAHRT ZU WERDEN!

Wir stellen uns dem Kampf gegen diese brutale Ungerechtigkeit. Helfen sie mit!

Brennpunkt Genitalverstümmelung: Jeden Tag sind weltweit etwa 8.000 Mädchen der Gefahr ausgesetzt, Opfer von FGM (Female Genital Mutilation) zu werden. Die Konsequenzen dieser Praxis sind oft verheerend, manchmal sogar tödlich. Weltweit gibt es über 150 Millionen betroffene Frauen, Tausende kommen jedes Jahr hinzu. Begründet ist FGM meist in tief verwurzelten Traditionen.

SPENDEN

FGM in Österreich?

Seit Anfang 2002 ist Genitalverstümmelung, die eine nachhaltige Beeinträchtigung des sexuellen Empfindens herbeiführen kann, ausdrücklich nach § 90 des Strafgesetzes strafbar. Eine Einwilligung zur Genitalverstümmelung ist nicht möglich.

Bislang bestehen in folgenden europäischen Ländern spezialgesetzliche Regelungen gegen FGM: Belgien, Dänemark, Großbritannien, Italien, Norwegen, Österreich, Schweden und Spanien. In den anderen Staaten ist die Praktik als Körperverletzung generell strafbar. Bei einer Verurteilung drohen Geld- und zum Teil langjährige Freiheitsstrafen. Personen, die FGM durchführen oder andere bestimmen, sie an Mädchen oder Frauen durchzuführen, handeln vorsätzlich. Die Einwilligung  minderjähriger Opfer hat nicht die Straflosigkeit zur Folge. Nach Auffassung des Europäischen Parlamentes soll FGM strafbar sein, unabhängig von der Zustimmung der betroffenen Frau.

WIR FORDERN:

Somaliasche Kinder, die in Österreich geboren werden, werden oft zur Beschneidung nach Somalia zurück geschickt. Wir fordern daher eine ärztliche Untersuchung der Mädchen vor und nach der Reise, um FGM überhaupt aufdecken zu können.

Workshops zur Aufklärung gegen FGM: Diese helfen auch in der Community das Verständnis gegen diese Praktik zu stärken. Hier sollten nicht nur Opfer von FGM einbezogen werden, sondern auch die Männer der Community. Dies hat sich oft als erfolgreiche Methodik bewahrheitet,  wenn sich Männer erklären, dass sie nicht mehr beschnittene Frauen heiraten wollen.

FGM im Senegal: Wiedergutmachen ist wichtig!

Brennpunkt Genitalverstümmelung: Jeden Tag sind weltweit etwa 6.000 Mädchen der Gefahr ausgesetzt, Opfer von FGM (Female Genital Mutilation) zu werden. Die Konsequenzen dieser Praxis sind oft verheerend, manchmal sogar tödlich. Weltweit gibt es über 135 Millionen betroffene Frauen,  Tausende kommen jedes Jahr hinzu. Begründet ist FGM meist in tief verwurzelten Traditionen.

Wir stellen uns dem Kampf gegen diese brutale Ungerechtigkeit. Helfen sie mit!

Gemeinsam mit dem Verein SAAMA wird derzeit eine Beratungs- und Anlaufstelle mit geschultem Personal errichtet. Langfristiges Ziel ist, dass den Frauen die von FGM hervorgerufenen Komplikationen, wie persistierende Beschwerden, häufige Infektionen, Zysten, mitunter tödliche Komplikationen bei Schwangerschaft und Geburt, erspart bleiben. Derzeit liegt die geschätzte Sterberate nach dem brutalen Eingriff bei  5–10%, eine noch größere Anzahl von Frauen stirbt an den Spätfolgen.

Gemeinsam bauen wir eine Beratungsstelle in Dakar auf.
Jeder gespendete Euro hilft!

In der Nähe eines Krankenhauses am Rande von Dakar wird gerade eine Beratungsstelle für Frauen und Mädchen eingerichtet. Die Mitarbeiterinnen bieten Aufklärung, Beratung, sowie psychologische und medizinische Hilfe, vor allem in den sensiblen Phasen wie Eheschließung, Schwangerschaft und Geburt. Ebenso erhalten traumatisierte, genitalverstümmelte Frauen konkrete Hilfestellung bis hin zu rekonstruktiven Operationen.

IHRE SPENDE HILFT:

  • bei der Bereitstellung von Medikamenten und medizinischen Geräten!
  • für kompetente Beratung durch geschulte BeraterInnen und ÄrztInnen
  • Deckung der laufenden Kosten der Beratungsstelle (Miete, Strom, etc.)
2018-07-03T09:55:50+00:00