Projekt Beschreibung

Charlie Forgham-Bailey / Eyevine / picturedesk.com

LEBENSZEICHEN- Gesellschaft für bedrohte Völker Österreich befürchtet katastrophale Folgen für das Weltklima und einen kulturellen Völkermord der in der Region lebenden indigenen Gemeinschaften. Hauptursache der Vernichtung des Amazonaswaldes ist die Fleischproduktion. Rund 70% des vernichteten Tropenwaldes wurden für Viehweiden gerodet, ein Großteil des Restes für den Futtermittelanbau. Indigene Völker stehen immer schon an vorderster Front dieses Kampfes um den Regenwald. Nun steht der Amazonas kurz vor dem kompletten Kollaps durch eine unaufhaltsam scheinende Industrialisierung des Amazonasgebietes. Wer sich gegen die Industrielobbys wehrt, riskiert sein Leben. Ganz klar werden hier wirtschaftliche Interessen über das Wohl der Menschheit gestellt. Wenn sie ihr zu Hause verlieren, droht nicht nur der Verlust ganzer Kulturen und Lebensweisen, sondern wir gefährden auch die Zukunft unseres Planeten. Wir verlieren dann alle unser zu Hause.

Brasilien ist der flächen- und bevölkerungsmäßig fünftgrößte Staat der Erde und auch das größte und mit über 200 Millionen Einwohnern auch das bevölkerungsreichste Land Südamerikas. Ganz klar befindet sich Brasilien in einer schwierigen Situation. Die ständig steigende Mordrate in Brasilien belastet nicht nur die Sicherheit, sondern auch die Wirtschaft des Landes. Die brasilianische Bevölkerung drängt auf eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage in dem von Korruption geprägten Land. Der rechtsextreme brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat am Mittwoch den 05.02.2020 seinen umstrittenen Gesetzesentwurf dazu vorgestellt. Der Entwurf sieht zwar weiterhin vor, dass eine „Konsultation“ indigener Gemeinschaften zu erfolgen hätte, ein Vetorecht gibt es jedoch nicht. Roberto Klein vom brasilianischen Bergbauministerium, das das neue Gesetz erarbeitet hat, sagt: „Natürlich wird man den Konsens mit den Indigenen suchen – es wäre schwierig dort etwas ohne deren Zustimmung aufzubauen. Aber ein Veto haben sie nur, wenn es um Goldabbau durch Nicht-Indigene geht.“ Die Darstellung der Regierung lautet weiters angeblich: „Die indigenen Völker hätten jetzt die Freiheit, zu entscheiden, ob sie selbst Bergbau oder Kraftwerke betreiben wollen. Sie müssten den Dschungel als Ware begreifen.“

DAMIT DIE INDIGENEN ZU IHREM RECHT KOMMEN, LEISTEN WIR BEISTAND BEI DER VERTEIDIGUNG IHRES ANGESTAMMTEN LANDES. BITTE HELFEN SIE JETZT!

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(Photo by CARL DE SOUZA / AFP)

Die Kritik daran ist, dass nun industrieller Landwirtschaft, kommerziellem Bergbau (Öl- und Gasprojekte) sowie dem Bau von Staudämmen und Wasserkraftwerken in geschützten indigenen Gebieten kaum noch Einhalt geboten werden kann.  Geschäftsführerin von LEBENSZEICHEN Nadine Papai betont, dass nicht nur die indigenen Lebensweisen Brasiliens damit bedrohter sind denn je, sondern ein Landraub hier vollzogen wird. “Seit 1988 haben Indigene das Recht auf uneingeschränkte Ländereien. Sie besitzen nicht nur das Recht auf ihre eigenständige Lebensweise, sondern es ist auch nach brasilianischem Recht illegal jegliche Privatisierung oder Veräußerung in die Wege zu leiten. Außer dies liegt im Interesse der Indigenen, was nicht immer auszuschließen ist, aber im Allgemeinen gegen die Lebensweisen der Gemeinschaften steht. Derzeit sieht die ILO 169 dazu auch vor, dass wo immer Indigene unter Programmen zur Ausbeutung der Ressourcen ihres Landes durchführen, die betreffenden Völker an dem Nutzen aus solchen Tätigkeiten teilhaben und müssen einen angemessenen Ersatz für alle Schäden erhalten, die sie infolge solcher Tätigkeiten erleiden. Dies wird von der Reigierung nun angeblich auch zugesichert. Wir befürcheten dann aber, dass die Argrar-, Energie- und Bergbaulobby Milliardengewinne erzielen und den Gemeinden lediglich eine vage Beteiligung an Gewinnen daran versprechen.”

INDIGENE FÜHRER APPELIEREN AN DIE INTERNATIONALE STAATENGEMEINSCHAFT

Nur mehr der Kongress könnte die Öffnung der indigenen Gebiete noch verhindern, aber dort ist der Einfluss der Agrarlobby und der Industrie sehr groß. Die betroffenen Völker werden wie üblich gar nicht gefragt. Ihnen bleibt nur, an die internationale Gemeinschaft zu appellieren. Die bekannten Häuptlinge Davi Kopenawa und Raoni Metuktire reisten deswegen nach Großbritannien. In ihrem gemeinsamen Schreiben fordern sie die britische Regierung auf, ihre Gastgeberrolle bei der UN-Klimakonferenz im November zu nutzen, um “die Stammesvölker in den Mittelpunkt zu stellen und unsere Schlüsselrolle bei der Erhaltung einiger der artenreichsten und bedrohtesten Regionen der Welt zum Wohle der Menschheit anzuerkennen”.

Mit fast 90 Jahren kehrt Raoni Metuktire an die Front zurück, um zu versuchen, Jair Bolsonaro, den schlimmsten Präsidenten Brasiliens, den er angeblich gekannt hat, zu stoppen. Der angesehenste indigene Führer des Landes prangert die Pläne der rechtsextremen Regierung an, den Bergbau auf indigenem Gebiet zu genehmigen. Bolsonaros Politik für das Amazonasgebiet unterminiert seiner Meinung nach die globalen Bemühungen zum Schutz der Natur und zur Bekämpfung der Klimakatastrophe. “Ich habe viele Präsidenten kommen und gehen sehen, aber keiner hat so schlecht über die indigenen Völker gesprochen oder uns und den Wald auf diese Weise bedroht”, sagt er. ” Seit seinem ersten Kontakt mit der Welt außerhalb des Dschungels hat Raoni 24 brasilianische Regierungen kennen gelernt. Im größten Land Südamerikas führt der Kayapó-Häuptling zusammen mit Davi Kopenawa der Yanomami eine erneuerte indigene Bewegung gegen die offiziellen Pläne zur Öffnung des Regenwaldes für Spekulationen, Viehzucht, Abholzung und (Gold-)Bergbau an. „Was heute passiert ist, dass die Regierung dort den Tod der Indigenen anordnet, sie wollen uns Indigenen schlimme Dinge antun. Deswegen bitte ich euch, mit der Regierung zu reden und Druck auszuüben, damit sie die Indigenen in Ruhe auf ihrem Land leben lassen. Ohne Konflikt und ohne Indigenen zu töten. Darum wollte ich euch bitten. Ich will in Frieden leben, ohne Kampf, ohne sich gegenseitig umzubringen. So will ich es“ so Metuktire. Er lädt Menschen auf der ganzen Welt ein, sich am friedlichen Widerstand gegen die Kräfte zu beteiligen, die indigenes Territorium, das Amazonasgebiet und die Welt bedrohen. “Wir brauchen die Natur zum Atmen”, sagt er. “Ich hoffe, dass die Menschen, nicht nur in Brasilien, meine Hand nehmen und sich mit uns zusammenschließen, um die Natur, den Wald und alles darin, einschließlich der Tiere und Menschen, zu retten.

WIR FORDERN ENDLICH MASSNAHMEN DER INTERNATIONALEN GEMEINSCHAFT GEGEN DIE PRIVATISIERUNG INDIGENER TERRITORIEN!

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DAS RECHT AUF DIVERSITÄT

Das Amazonasbecken mit fast 7,9 Mio. km² ist das größte zusammenhängende Waldgebiet der Welt – der Amazonas, der dieser Region seinen Namen gibt – und mit einer Länge von fast 6.500 km der längste Fluss der Erde. Zum Vergleich: Europa mit seinen 27 Mitgliedsstaaten umfasst gerade mal eine Fläche von 4,3 Mio. km². Das gewaltige Flusssystem umfasst neun Länder: Brasilien, Bolivien, Peru, Ecuador, Kolumbien, Venezuela, Guyana, Surinam und Französisch-Guyana. Amazonien ist die Heimat von über 450 unterschiedlichen indigenen Völkern. Gemeinsam ist ihnen ein tiefer Respekt vor dem Lebensraum Wald.

Ein altes Ziel der brasilianischen Indigenenpolitik ist die Assimilation der indigenen Lebensweise. Diese gilt es zu überwinden und die Menschen „aus dem Wald“ zu holen. Diese Vorgänge finden in vielfacher Weise statt. Eine zunehmende Migration in die Städte ist im vollen Gange. Immer mehr sehen sich selbst nicht mehr als Indios, sondern als Arme. Sie sind vom materiellen Wohlstand der brasilianischen Gesellschaft ausgeschlossen. Da der Druck auf die Landflächen der indigenen Bevölkerung steigt, ist auch die Nahrungsbeschaffung mit traditionellen Methoden immer schwieriger und es herrscht schlicht und einfach ein chronischer Nahrungsmangel, weswegen man mittlerweile in die Stadt einkaufen gehen muss. All dies sind Entfremdungsprozesse; die kulturelle Diversität zu bewahren wird immer schwieriger. Deswegen sprechen wir hier von einem schleichenden Völkermord. Es besteht allerdings immer die Gefahr, die Indigenen dazu zu verurteilen, dort zu bleiben wo sie sind. Das ist nicht weniger problematisch als ihnen vorzuschreiben, sie hätten sich gefälligst anzupassen. Aber es finden Prozesse statt, in der man das Wissen, wie man mit diesen „lebendigen Logiken“ der Waldumwelt Amazoniens umgeht, verliert.

STEIGENDE MORDRATE IM BRASILIANISCHEN REGENWALD

Leider wird auch im Zuge der Brände wenig über das Schicksal der indigenen Gemeinschaften Brasiliens berichtet. Unter der derzeitigen Regierung haben die Indigenen keine Lobby, weswegen es so wichtig ist, dass das internationale Augenmerk darauf gelenkt wird. Indigene Völker und ethnische Minderheiten sind in Brasilien stets Diskriminierung ausgesetzt. Rassismus und Klassenunterschiede sind in den Gedanken der Mehrheitsbevölkerung tief verwurzelt. Daher bestehen Interessen, die “Menschen im Busch“ auch aktiv aus dem Weg zu schaffen. Insgesamt leben in Brasilien schätzungsweise 60.000.-700.000 Indigene, wobei eine Selbstidentifizierung als “Indigen” unterschiedlich sein kann. Die Minderheit liegt damit unter einem Prozent. Trotzdem haben sie aber Anspruch auf 13% der Landfläche Brasiliens. Dies ist der große Streitpunkt zwischen konservativen Kräften und Indigenen.

Was an den sogenannten “fronteras”, den Grenzen der angestammten Territorien, passiert ist ein Voranschreiten exzessiver Gewalt gegen die Natur, aber auch gegen die Menschen die dort leben. Sie sind bedrohter denn je. Die oft sehr gewaltsamen Auseinandersetzungen nehmen in letzter Zeit zu. Indigene Anführer werden ermordet und politische Aktivisten müssen um ihr Leben fürchten. Ein Anführer des Wajãpi-Stammes, Emyra Wajãpi, wurde am 23. Juli 2019 in seinem brasilianischen Dorf tödlich erstochen. Gemeindemitglieder berichteten, dass ein paar Dutzend bewaffnete Goldgräber, die in Militärmontur gekleidet waren, ihr Dorf überfallen und die Wajãpi und ihre Häuser bedroht und aggressiv angegriffen hatten. Berichte von Dorfbewohnern behaupten, dass Emyra Wajãpi im angrenzenden Wald in der Nähe seines Dorfes erstochen und dann seine Leiche in einen Fluss geworfen wurde. Bis heute haben die Polizeikräfte und die Bundesbehörden, die für den Schutz der Rechte der Indigenen zuständig sind, keine weiteren Informationen über den Mord erhalten. Die Ermordung von Emyra Wajãpi wirft ein Licht auf die steigende Zahl der getöteten indigenen Anführer im brasilianischen Amazonasgebiet, die 2019 einen Rekordstand erreicht hat: 10 Indigene wurden ermordet, die höchste Zahl seit zwei Jahrzehnten. Noch verheerender ist, dass in den letzten 10 Jahren mehr als 300 Mordfälle vor Gericht gebracht wurden, wobei nur 14 vor Gericht gebracht wurden; viele der Verantwortlichen waren Teil des illegalen Holzeinschlags und der Entwaldung.

WUSSTEN SIE, DASS IN DEN TOP-RESTAURANTS VON ÖSTERREICH BEREITS BRASILIANISCHES FLEISCH ESSEN?

Seit 28. Juni 2019 gibt es ein Freihandelsabkommen zwischen EU und den Mercosur-Staaten Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Durch den Wegfall der Zölle und den Abbau der nicht-tarifären Handelshemmnisse soll Mercosur zu einem der Top-Märkte für unter anderem Milchprodukte, verarbeitete Lebensmittel und alle Arten von Fleischprodukten werden. Durch sichere Quellen wissen wir, dass seither in Österreich brasilianisches Fleisch verkauft definitiv verkauft wird. Nadine Papai, CEO von LEBENSZEICHEN, meint dazu: “Das Problem dabei ist, dass durch das Abkommen der Preis bis zu ca. 50% unter den regionalen “österreichischen” Einkaufspreisen der Gastronomie liegt. Weder der Gastronom noch der Kunde wollen die höheren Preise unserer heimischen Märkte bezahlen. Oder man weiss in einem Restaurant meist gar nicht, dass das Fleisch aus Brasilien ist. Somit hat man diese Wahl gar nicht. Ein guter Tipp, um “Regenwald-Fleisch” zu vermeiden: am besten soviel wie möglich regional einzukaufen oder ganz auf Fleisch zu verzichten. Sinnvoll wäre, wenn man bei Restaurantbesuchen jeweils lästig ist und nachfragt, woher das Fleisch bezogen wird oder gar anratet dies auf die Karte zu schreiben. Schließlich ist der Kunde auch König.”

IN UNSEREM DERZEITIGEN KALENDER VERBRINGEN WIR EINEN TAG IM HAUS DER YANOMAMI UN DAVI KOPENWAWA!

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