DER FALL MOUNT GRAHAM - Dzil Nchaa Si An HEILIGER BERG DER APACHEN

Mount Graham from highway © Foto: Mike Austin, 2000

Lebender Berg - Heiliges Ökosystem

Eine Astronomenvereinigung, die die Universität von Arizona (UA), das Max-Planck-Institut (MPI) in Deutschland, das Arcetri Observatorium in Italien und den Vatikan repräsentiert, errichtet auf dem Gipfel des 3.270 m hohen Mount Graham in Arizona, USA ein Observatoriumkomplex mit sieben Teleskope. Dieser Berg ist Heimat von bedrohten Pflanzen- und Tierarten, und ein heiliger Ort der Apachen, die ihn Dzil Nchaa Si An - Großer Sitzender Berg - nennen.

Erst vor kurzem hat die Staatliche Universität von Ohio (OU) veröffentlicht, daß sie sich am umstrittenen und unethischen Projekt beteiligen wird, obwohl über 25 amerikanische Universitäten sich davon zurück gezogen haben. Trotz Daten, die die schlechte Qualität von Mount Graham als Teleskop-Standort aufzeigen, und ein deutliches Risiko für die ökologische, kulturelle und spirituelle Einheit dieses Bergs darstellt, wird am Teleskopprojekt weitergebaut. Die Astronomenvereinigung weigert sich, die Bedenken der Apachen und der Umweltexperten zu berücksichten. Die UA ist die erste US-Universität, die eine Freistellung aus bestehenden Umweltschutzgesetzen bekommen konnte.

1987, während seines Besuchs im Südwesten der US, sprach Papst Johannes Paul II zu verschiedenen indianischen Nationen in Phoenix, Arizona: "Ich ermutige euch, als indigene Völker, die verschiedenen Stämmen und Nationen im Osten, im Süden, Westen und Norden angehören, eure Kulturen, eure Sprachen, die Werte und Traditionen, die euch in der Vergangenheit so gut gedient haben und eine solide Basis für die Zukunft sein werden, am Leben zu erhalten." Trotz dieser schönen Worte zur Unterstützung indianischer Kulturen hat der Vatikan sein Teleskop auf Dzil Nchaa Si An unbeirrt fertiggestellt.

Bau des Large Binocular Teleskops © Foto: Arizona Daily Wildcat file foto 1999

Der Teleskopstandort Mount Graham

Das Smithsonische Institut, die Universität von Harvard, und eine Vereinigung von 24 anderen Universitäten haben sich nach der Standortüberprüfung vom Projekt zurück gezogen. Eine unabhängige astronomische Studie der US-Teleskopstandorte hat Mount Graham an 37. Stelle angeführt. Die eigenen Studien der UA geben zu, daß sie wegen der "unakzeptablen" Sicht den schlecht möglichsten Standort gewählt haben. Studien der UA zeigten weiters auf, daß ein anderes Observatorium in Arizona eine weit bessere Sicht hat. Ein lebendes Zeugnis der Evolution 5 der 7 nordamerikanischen Ökosysteme kommen auf Mount Graham vor. Der Gipfel Mount Grahams beherbergt eine seltenes winziges Areal eines borealen Waldes, der ansonsten erst wieder in Kanada vorkommt. Das ungewöhnliche Biotop dieses Bergs beherbergt mindestens 18 Pflanzen und Tiere, die sonst nirgends wo auf der Erde vorkommen. Das Rothörnchen, das meistbedrohte Säugetier in den USA, würde 27% seines besten Lebensraums verlieren. Fast 10% seines Reviers sind wegen der Arbeiten am Teleskopprojekt bereits schon vernichtet.

Crown-Dancer © Foto: Stephanie Joseph 2000

Heiliger Berg der Apachen

Dzil Nchaa Si An ist der wichtigste Ort in der heiligen Geographie der Apachen. Das Teleskopprojekt ignoriert all Ansprüche der Apachen zur Heiligkeit von Dzil Nchaa Si An. Alle amerikanischen Institute, mit Ausnahme der Universität von Arizona und der Universität von Ohio, haben sich vom Projekt zurück gezogen oder es abgelehnt. Gesetze, die die Rechte der Apachen schützen sollen, wie das Gesetz zum Schutz der Indianischen Religionsfreiheit, wurden total ignoriert und verletzt. · Die Regierung der San Carlos Apachen hat 4 Resolutionen, die das Teleskopprojekt entschieden ablehnen, verabschiedet und über 35 Protest-schreiben an die Regierung der USA gerichtet. Die Apachen werden von nahezu jeder Umwelt- und Menschenrechtsorganisation in Nordamerika und Europa unterstützt.

Die Apache Survival Coalition, die Gründer Ola Cassadore Davis und ihr Ehemann Mike Davis, beide angesehene Älteste, wurden 1990 durch eine einstimmige Stammesratsresolution der San Carlos Apachen ermächtigt, sie bezüglich der Situation um Dzil Nchaa Si An nach außen zu vertreten. - Ola Cassadore Davis ist die Schwester des angesehenen Medizinmanns Phillip Cassadore und Nachkomme respektierter Apachen-Führer. Ebenfalls werden die Anliegen der besorgten Apachen von der Organisation Apaches for Cultural Preservation getragen, deren Vorsitzende der Älteste Wendsler Nosie, ein ehemaliges Stammesratsmitglied, ist. Die Mount Graham Coalition, eine Vereinigung der Umweltschützer, die von Dr. Robert Witzeman ins Leben gerufen wurde, um ihre Anstrengungen besser zu koordinieren, ist die engste Verbündete der Apachen.

Die Position der Teleskopbetreiber

Die UA, der Vatikan, das MPI, und die Partner Arcetri Observatorium und die OU weigern sich, die Entfernung der Teleskope auch nur in Betracht zu ziehen. - In den zehn Jahren der Projektplannung wurden die Apachen nie kontaktiert. Der Vatikan und das MPI anerkennen Dzil Nchaa Si An nicht als einen heiligen Ort der Apachen. Die staatliche Zeitung "Vatikan Observatorium" hat ein Treffen zwischen Papst Paul Johannes II und traditionellen Repräsentanten der Apachen, die nach Rom geschickt worden waren, blo-ckiert. Das MPI weigert sich prinzipiell legitime Repräsentanten der Apachen zu treffen.

Der Direktor des Völkerkundemuseums der UA nennt die Bemühungen, Dzil Nchaa Si An erhalten zu wollen, "eine jüdische Verschwörung", und gemeinsam mit der UA ist er der Meinung, daß die traditionellen Apachen von fanatischen Umweltaktivisten vereinnahmt worden sind. Coyne, Kongress & Clinton Pater George Coyne, Direktor des Vatikan Observatoriums in Tucson, Arizona, haben öffentlich erklärt, daß das Vorhandensein von materiellen Artifakten, Schreinen oder das Äquivalent von Kirchengrundmauern notwendig sei, um die Heiligkeit dieses Bergs zu beweisen. Mit dieser Aussage sagt Coyne, daß jede andere Religion, außer dem Christentum, die nicht die Notwendigkeit hat, in (vom Menschen errichteten) Steinhäusern zu beten, tatsächlich keine Religion ist! Coyne akzeptiert weder mündliche Tradition, noch beeidete Aussagen der spirituellen Führer der Apachen, noch beeidete Erklärungen von (weißen) amerikanischen Studenten und Professoren, die sich auf die Kultur der Apachen spezialisiert haben, noch die Feldaufzeichnungen von anerkannten Anthropologen.

Noch schlimmer, 1992 schrieb George Coyne, daß Umweltschützer und Indigene, die sich gegen die Teleskope stellen, "eine Art von Religiösität erzeugt haben, der ich nichts abgewinnen kann, und die mit aller Kraft, die wir mustern können, unterdrückt werden muß." Heute sind die Teleskope des Vatikans und des Max-Planck-Instituts fertig gestellt und in Betrieb genommen. Schlägerungen für das dritte Teleskop des ita-lienischen Arcetri Observatoriums ging rasch vor sich. Jedoch, in September 1995 entschied ein Bundesrichter, daß die Bauarbeiten Umwelt- und Kulturschutzgesetze verletzte. Sofort beantragten Republikanische Kongreßabgeordnete einen zweiten Gesetzesantrag im Kongreß, wie sie es bereits1988 getan hatten, um das Projekt von allen Umwelt- und Kulturschutzgesetzen auszuklammern.

Eichhörnchen © Foto: Mike Austin, 2000

Präsident Clinton legte bei der ersten Vorlage dieses Gesetzes sein Veto ein, war aber gezwungen das neue Gesetz am 25. April, 1996 zu unterzeichnen. Die Teleskopbauarbeiten wurden wieder im Sommer 1996 aufgenommen. Am 1. November 1997 legte Präsident Clinton sein Veto gegen eine $10 Millionen Finanzierung für das umstrittene und unethische Projekt ein.

Die Apachen brauchen Ihre Unterstützung!

Nahezu alle Menschenrechts- und Umweltschutzorganisationen in Nordamerika und Europa haben sich durch Resolutionen und Petitionen gegen das Teleskopprojekt auf Dzil Nchaa Si An - Mount Graham gestellt. SIE können die Errichtung der verbleibenden Teleskope stoppen, indem Sie diese Informationen weitergeben und den Partnern der Teleskopvereinigung, besonders den US-Universitäten von Arizona und Ohio, schreiben.

Weitere Informationen können aus der GfbV-Broschüre "INDIANER NORDAMERIKAS" bezogen werden oder kontaktieren Sie bitte:

APACHE SURVIVAL COALITION Ola Cassadore Davis P.O. Box 1237 San Carlos, AZ, USA 85550 Tel. & Fax: (+1 520) 475 2543

MOUNT GRAHAM COALITION Dr. Robert Witzeman 4619 E. Arcadia Lane Phoenix, AZ, USA 85018 Tel.: (+1 602) 840 0052 Fax: (+1 602) 840 3001 Email: witzeman@worldnet.att.net

APACHES FOR CULTURAL PRESERVATION Wendsler Nosie P.O. Box 0766 San Carlos, AZ, USA 85550 Tel. & Fax: (+1 520) 475 2494

GESELLSCHAFT FÜR BEDROHTE VÖLKER Mike Austin Prinz Eugen - Straße 52/1/5 A-1040 Wien Tel.: (+43 1) 503 4990 Fax: (+43 1) 503 4991 Email:austin@cherokeenation.zzn.com

Wald- und Felslandschaft mit Straße © Foto: Mike Austin, 2000

Keine Teleskope auf Dzil Nchaa Si An!!!

Wiir fordern Respekt für die Kultur und Religion der Apachen.
Petitionsvorlage (mit Übersetzung)

Helfen Sie mit, indem Sie folgende Petition an Peter Likins und William E. Kirwan senden.
President Peter Likins - Office of the President University of Arizona Administration Building P.O. Box 210066 Tucson, AZ, USA 85721-0066 Fax: (+1 520) 621 9323 Email: plikins@arizona.edu
President William E. Kirwan - Office of the President The Ohio State University 190 North Oval Mall Columbus, OH, USA 43210-1357 Fax: (+1 614) 292 1357 Email: kirwan@osu.edu

Dear Mr. President,
with great concern and increasing indignation I have noticed your insistance on continuing the Mount Graham International Observatory (MGIO) project at all costs. It has become quite clear that this very controversial project is no longer about good science but very plainly about money and power.

The empirical facts are obvious: Dzil Nchaa Si An - Mount Graham is the sacred mountain of the Apache People and an usually unique mountain top forest ecosystem of 18 rare plants and animals. The University of Arizona has spent millions of dollars lobbying and litigating in attempts to exempt the MGIO project from all US environmental and Native American cultural protective laws. Again and again irregularities and questionable practices in most proceedings pertaining to this project have been shown.

All US universities, with exception of the State University of Ohio, have abandoned this travesty, primarily because there are scientifically better astrophysical sites but also for the ethical reasons. Nearly all human rights and environmental organisations in North America and Europe have taken position opposing your university's participation in the MGIO project. The San Carlos Apache Tribal Council has issued numerous resolutions against desecration of this sacred mountain and have, in addition, issued over 35 writings of protest to various governmental agencies. The Apache spiritual leaders have signed a petition of opposition. I, therefor, strongly urge you to seek a fair and just solution with the Apache People!

Sincerely,

(Übersetzung)

Sehr geehrter Herr Rektor,
mit großer Sorge und zunehmender Empörung habe ich zur Kenntnis genommen, daß Sie darauf bestehen, das Mount Graham Internationale Observatoriumprojekt (MGIO) um jeden Preis weiterzuführen.

Es ist ziemlich klar geworden, daß dieses höchst umstrittene Projekt schon lange nichts mehr mit guter Wissenschaft, sondern ausschließlich mit Geld und Macht zu tun hat. Die empirischen Tatsachen sprechen für sich: Dzil Nchaa Si An - Mount Graham ist der heilige Berg der Apachen und ein ungewöhnlich einmaliges Berggipfelwaldökosystem von 18 seltenen Pflanzen und Tieren.

Die Universität von Arizona hat Millionen von Dollar für politisches Lobbying und Gerichtsverfahren für Ihre Anliegen ausgegeben, das MGIO-Projekt von allen US-Umwelt- und Kulturschutzgesetzen für Indianer zu befreien. Immer wieder wurden Unregelmäßigkeiten und fragwürdige Vorgangsweisen in fast allen Verfahren bezüglich dieses Projekts aufgezeigt. Alle US-Universitäten, mit Ausnahme der Staatlichen Universität von Ohio, haben dieses unglückliche Projekt verlassen, hauptsächlich deswegen, weil es wissenschaftlich gesehen bessere astrophysische Standorte gibt, aber auch aus moralischen Gründen.

Fast alle Menschenrechts- und Umweltorganisationen in Nordamerika und Europa haben Opposition gegen die Beteiligung Ihrer Universität am MGIO-Projekt bezogen. Der Stammesrat der San Carlos Apachen hat eine Vielzahl von Resolutionen gegen die Entweihung dieses heiligen Bergs und, zusätzlich, über 35 Protestschreiben an verschiedene Regierungsämter verabschiedet. Die spirituellen Führer der Apachen haben eine Petition des Widerstands unterschrieben. Daher halte ich Sie mit allem Nachdruck dazu an, eine ehrenhafte und gerechte Lösung mit den Apachen zu suchen!

Hochachtungsvoll,

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