AKIN – Arbeitskreis Indianer Nordamerikas

von Peter Schwarzbauer

Entstehung des Arbeitskreis Indianer Nordamerikas

Im Jahre 1980 fand in Rotterdam das vierte sogenannte "Russell Tribunal" statt, das im Rahmen einer internationalen Expertenjury Menschenrechtsverletzungen an Indianern beider Amerikas aufzeigte und verurteilte. Im Umfeld dieses Tribunals wurden auch in Österreich Veranstaltungen über Indianer abgehalten, bei denen ein Kern an besonders interessierten Leuten immer wieder auftauchte. Dieser Kern schloß sich nach einem Vortrag des deutschen "Indianerjournalisten" Claus Biegert in Wien im Frühjahr 1981 zu einem losen Arbeitskreis zusammen. Seit diesem Zeitpunkt trifft sich der Kreis mit nur kleinen Unterbrechungen wöchentlich zu Arbeitssitzungen, in denen Informationen ausgetauscht, Aktionen geplant und Publikationen vorbereitet werden. Mit Gründung der Gesellschaft für bedrohte Völker - Österreich im Jahre 1985 wurde AKIN Bestandteil dieser Menschenrechtsorganisation.

Die Mitglieder des Arbeitskreises setzen sich aus grundverschiedenen Menschen zusammen. Je nach Interesse oder individuellen Möglichkeiten werden unterschiedliche inhaltliche und organisatorische Schwerpunkte vertreten. So erstellt ein im Druckgewerbe tätiger Mitarbeiter kostenlos oder zu sehr günstigen Preisen Druckwerke für die Unterstützungsarbeit. Ein Politikwissenschaftler hat sich auf völkerrechtliche Fragen spezialisiert. Einer Völkerkundlerin ist die Vermittlung kultureller Aspekte ein besonderes Anliegen, usw. Die Mitarbeit bei AKIN ist nicht an die Mitgliedschaft bei der Gesellschaft für bedrohte Völker gebunden. Jede(r), die/der will, kann mitmachen.

Der Hintergrund zu den Aktivitäten des Arbeitskreises

Die Situation eingeborener Völker ist dadurch gekennzeichnet, daß die Regierungen der Länder, in denen sie leben, aus verschiedensten Gründen extremen Druck auf die Souveränität und damit Lebensweise dieser Völker ausüben - meist, weil sie dem "Fortschritt" im Wege stehen. Weder werden sie von diesen Regierungen als eigenständige Völker mit dem Recht auf Selbstbestimmung betrachtet, noch können sie als "Nicht-Staaten" etwa von Entwicklungshilfe im üblichen Sinn profitieren. So fallen auch die "ersten Amerikaner" bei den meisten Formen internationaler Unterstützung durch den Rost.

Dieses Vakuum versucht unser Arbeitskreis auszufüllen, im vollen Bewußtsein der Tatsache, daß von Österreich aus die Indianerpolitik Kanadas und der USA zwar nicht grundsätzlich verändert werden kann, wohl aber z.T. empfindliche Nadelstiche versetzt werden können. Dabei spielt der moralische Anspruch beider Länder als "internationale Hüter von Menschenrechten" eine entscheidende Rolle.

Öffentlichkeitsarbeit

Der Abbau von herrschenden, für die politische Arbeit äußerst hinderlichen Klischeevorstellungen über Indianer ist von zentraler Bedeutung. Auch die Korrektur der offiziell von nordamerikanischen Regierungen verbreiteten Informationen stellt einen wesentlichen Bereich da.

AKIN bemüht sich wo immer möglich, Indianer selbst ihre Anliegen vertreten zu lassen und versteht sich als Mittler. AKIN ist in folgender Weise tätig:

  • Schulvorträge (i.d.R. mit indianischen Vertretern)
  • Publikation von Informationsmaterial für Lehrer
  • Organisation von Pressekonferenzen
  • Pressearbeit (Aussendungen)
  • Organisation von öffentlichen Vorträgen
  • Informationsstände bei öffentlichen Anlässen

Direkte Unterstützung

Direkte Unterstützung kann zum einen darin bestehen, Geldmittel aufzutreiben, um konkrete indianische Projekte zu unterstützen. Zum anderen kann die politische Unterstützung durch die Durchführung von Protestaktionen oder die Suche nach Unterstützung durch österreichische Politiker angeführt werden.

Einige Beispiele:

  • Finanzielle Unterstützung landwirtschaftlicher und rechtlicher Projekte der Oglala Lakota durch den Verkauf von Informations- und Bildmaterial
  • Organisation von Demonstrationen (Lubicon Cree, Indianer Wisconsins)
  • Vermittlung von Terminen bei österreichischen Politikern für indianische Vertreter
  • Sammlung von Unterschriften zu bestimmten indianischen Fällen und Initiierung von Protestbriefaktionen (Lubicon Cree, Black Hills, Western Shoshone, Innu)

Kulturaustausch

Als Langzeitstrategie ist die Intensivierung der kulturellen Beziehungen zwischen europäischen Ländern und indianischen Nationen in Nordamerika zu nennen, um aus dem daraus resultierenden gegenseitigen Verständnis auf lange Sicht zu profitieren. Aus finanziellen Gründen ist dieser Bereich am schwierigsten zu bewältigen. Trotzdem konnten auch hier einige Erfolge erzielt werden:

  • Besuch von Studenten des Oglala Lakota College in österreichischen Kinderfreundeferienlagern (1982)
  • Forstliche Ausbildungsmöglichkeiten für Studenten des Oglala Lakota College in Österreich (1986, 1988)
  • Kulturelle Veranstaltungen mit Indianern (z.B. Dichterlesung des Cheyenne Poeten, Lance Henson 1987)
  • Bildungsreise ins Pine Ridge Reservat der Oglala Lakota (seit 1988; gemeinsam mit Lakota Treaty Council)
  • Fotoausstellungen im Zusammenhang mit dem Gedenken an das Massaker von Wounded Knee (1890-1990)
  • Ausbildung indianischer Journalistinnen in Österreich (Sommer 1997)

Internationale Zusammenarbeit

AKIN hat intensive Kontakte zu ähnlichen Gruppen und Organisationen in den meisten europäischen Ländern. Seit 1985 treffen sich europäische Unterstützungsgruppen für nordamerikanische Indianer einmal jährlich, um ihre Arbeit durch Koordination und Informationsaustausch effizienter zu gestalten. Zu diesen Treffen werden auch immer Vertreter von indianischen Nationen eingeladen. AKIN organisierte 1987 das Europatreffen in Wien.

Finanzierung der Aktivitäten

Die geringe finanzielle Basis der Gesellschaft für bedrohte Völker - Österreich erlaubt es nicht immer, daß sämtliche Kosten, die mit den Aktivitäten des Arbeitskreises verbunden sind, auch abge-golten werden können. Ein Teil wird von den Mitgliedern AKINs privat getragen. Die wichtigsten anfallenden Kosten sind Kopier-, Druck-, Telefon-, und Portokosten sowie etwaige Reise- und Aufenthaltskosten indianischer Delegierter.
Spenden bitte auf das Konto der Gesellschaft für bedrohte Völker: PSK-Wien: 7239.001 (Stichwort: "AKIN")

Kontakt/Treffpunkt
AKIN trifft sich jeden Montag ab ca. 20:00 im America Latina, Mollardgasse 17, A-1060 Wien, Kellerraum (Ausnahme: 1. Montag im Monat. Treffpunkt GfbV-Büro: Prinz Eugenstrasse 52/5, A-1040 Wien).
Spezifische Anfragen bitte an das Büro der Gesellschaft für bedrohte Völker oder an Peter Schwarzbauer, Weißgasse 9-13/2/1, 1170 Wien, Tel.: +43 (1) 485-33-51 (priv.) od. +43 (1) 47-654/4416 (Büro), Fax: +43 (1) 47-654-4407, E-Mail .

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