25. August 2011
Nach der Entdeckung von zwei neuen Massengräbern in den umkämpften
Nuba-Bergen im Sudan befürchtet die Gesellschaft für bedrohte Völker
(GfbV), dass die Waffen dort nicht lange ruhen werden. Zwar habe die
sudanesische Regierung in Khartum am Dienstag einseitig einen
zweiwöchigen Waffenstillstand angekündigt. "Doch so lange die Machthaber
alle Menschenrechtsverletzungen in den Nuba-Bergen öffentlich leugnen,
werden die blutigen Auseinandersetzungen mit großer Wahrscheinlichkeit
nicht ausgesetzt oder spätestens nach der Zwei-Wochen-Frist wieder
aufflammen", sagte der GfbV-Afrikareferent Ulrich Delius am Mittwoch in
Göttingen.
Nachdrücklich forderte die Menschenrechtsorganisation außerdem für
alle internationalen Helfer sofortigen freien Zugang zu den Nuba-Bergen
in der Provinz Südkordofan. So könne Staatspräsident Omar Hassan al
Bashir beweisen, dass er der unter Krieg und Menschenrechtsverletzungen
leidenden Zivilbevölkerung wirklich helfen wolle. Offenbar in dem
Glauben, sie besser kontrollieren und einschüchtern zu können, hat die
sudanesische Regierung nur sechs UN-Organisationen die Einreise am
vergangenen Wochenende gestattet, um den Bedarf an humanitärer Hilfe zu
klären.
Die jüngsten Friedensgespräche zwischen Bashir und der
aufständischen SPLM-North sind am vergangenen Sonntag gescheitert. "Die
Nuba haben kein Vertrauen in die Ankündigungen des Präsidenten",
berichtete Delius, "denn Bashir hat öffentlich abgestritten, dass seine
Luftwaffe in den vergangenen beiden Wochen Nuba-Siedlungen angegriffen
hat." Dabei wurden sowohl am 17. als auch am 22. August 2011 Nuba-Dörfer
bombardiert. Bei den Angriffen starben auch Zivilisten.
Das von dem Hollywood-Schauspieler George Clooney gegründete
Satelliten-Überwachungsprojekt "Satellite Sentinel Project" hat am
heutigen Mittwoch neue Fotos vorgelegt, die die Existenz von zwei neuen
Massengräbern in Süd-Kordofan belegen. Sudans UN-Botschafter Daffa-Alla
Elhag Ali Osman leugnete daraufhin nochmals öffentlich die Existenz von
Massengräbern in der Region, obwohl dort seit Ausbruch der Kämpfe am 5.
Juni 2011inzwischen acht Massengräber mit Satellitenfotos identifiziert
wurden.
"Bashir will die internationale Gemeinschaft mit seinen wenig
glaubwürdigen Ankündigungen offenbar beruhigen, um den internationalen
Druck auf den Sudan zu verringern", sagte Delius. "Eine Strategie, die
sich schon in den letzten acht Jahren des Genozids in Darfur als sehr
erfolgreich erwiesen hat."