20.06.2011
Anlässlich des Weltflüchtlingstages (20.6.) weist die Gesellschaft für
bedrohte Völker auf ein kaum beachtetes Flüchtlingsdrama im Osten Burmas
hin. Dort mussten in dieser Woche mehr als 10.000 Angehörige des Volkes
der Kachin vor Kämpfen zwischen burmesischen Soldaten und der
Kachin-Freiheitsbewegung fliehen. Viele Zivilisten fürchten außerdem,
von der Armee zwangsweise als Träger rekrutiert zu werden. Grund für die
blutigen Auseinandersetzungen ist der Bau von zwei Staudämmen, die
Energie für China produzieren sollen. Die Kachin lehnen das Projekt ab,
weil dafür Tausende zwangsumgesiedelt werden müssen. Insgesamt sind im
Osten Burmas rund 480.000 Angehörige ethnischer Minderheiten wegen Krieg
und schwerer Menschenrechtsverletzungen auf der Flucht.
"China behandelt Burma wie eine Rohstoffkolonie, die systematisch
ausgeplündert wird", kritisierte der GfbV-Asienreferent Ulrich Delius.
"Mit der rücksichtslosen Erschließung von Energie- und Rohstoffvorkommen
im benachbarten Vielvölkerstaat schürt Peking Krieg." Zwar herrschte
seit 1994 Waffenstillstand im Bürgerkrieg mit der
Kachin-Freiheitsbewegung. Doch um den Bau der beiden Staudämme für China
abzusichern, hatte die neue zivile Regierung Burmas Truppen in den
Kachin-Staat geschickt.
Rund 15.000 Kachin verlieren ihr Land und ihre Häuser durch den Bau
der beiden Staudämme an den Zuflüssen des Irrawaddy-Stromes. Insgesamt
sollen 60 Dörfer der Kachin zwangsweise umgesiedelt werden. Seit
Bekanntwerden der Megaprojekte im Jahr 2004 protestieren Angehörige der
Minderheit mit Appellen an die chinesische und burmesische Regierung
gegen die Zwangsumsiedlung. Doch beide Regierungen ignorierten den
Widerstand. Mittlerweile arbeiten mehr als einhundert chinesische
Ingenieure auf den Großbaustellen im Kachin-Staat. Die chinesische
Staatsführung ist sehr besorgt um ihre Sicherheit sowie um die
Fortführung der zahlreichen Investitionsvorhaben im Nachbarland.
China ist der bedeutendste Investor in dem Nachbarland. Es will für
seine Stromversorgung bis 2020 mehr als 40 Staudämme in Burma bauen,
baut Öl- und Gaspipelines, errichtet Häfen, unterhält Bergbauminen und
kontrolliert vor allem in den von nicht-burmesischen Nationalitäten wie
den Kachin bewohnten Randgebieten Handel und Industrie. Allein im
Bundesstaat Kachin arbeiten mehrere zehntausend chinesische Händler,
Industrielle und Ingenieure. Erst im Mai 2011 hatte Peking seine
"strategische Partnerschaft" mit Burma bekräftigt. "Doch als Partner
sieht China allenfalls die in Burma allmächtigen Militärs an",
berichtete Delius. "Die von Chinas Investitionen betroffenen ethnischen
Minderheiten werden weder in die Planung der Projekte, noch in ihre
Durchführung einbezogen. Für Burmas Nationalitäten ist Chinas nicht zu
stillender Rohstoffhunger schon längst zum Fluch geworden".
Ulrich Delius ist erreichbar unter Tel. 0551 4990627.