1307.2011
Friedensvertrag ohne Frieden - Darfur-Flüchtlinge fordern
Sicherheit, nicht leere Versprechungen
Als "Augenwischerei" bezeichnet die
Gesellschaft für bedrohte Völker das Darfur-Friedensabkommen, das voraussichtlich
am 14. Juli 2011 in Doha (Katar) unterzeichnet wird. "Für die fast zwei
Millionen Vertriebenen aus Darfur ist das Abkommen der blanke Hohn. Denn es wird
weder einen schnellen Frieden bringen noch mehr Sicherheit", erklärte der
GfbV- Afrikareferent Ulrich Delius am Mittwoch. "Seit zwei Jahren hat es
in Darfur nicht mehr so schwere Kämpfe und so viele Menschenrechtsverletzungen
gegeben wie heute. Darfur ist noch weit von einem tatsächlichen Frieden
entfernt."
Im Flüchtlingslager Kalma, das mit mehr als 60.000
Insassen zu den größten Camps im Westen des Sudan zählt, forderten
Repräsentanten der Flüchtlinge von der Rebellengruppe "Bewegung für
Freiheit und Gerechtigkeit" (LJM), den Friedensvertrag nicht zu
unterzeichnen. Die Flüchtlinge verlangen vor allem mehr Sicherheit und eine
Entwaffnung der Milizen, deren Übergriffen sie seit Beginn des Völkermords im
Jahr 2003 schutzlos ausgesetzt sind.
Die Sammlungsbewegung LJM ist die einzige maßgebliche Freiheitsbewegung, die sich dem Abkommen anschließen will. Weder die
militärisch bedeutsamen Rebellengruppen der "Bewegung für Gerechtigkeit
und Gleichheit" (JEM) noch eine Fraktion der "Sudanesischen Befreiungsarmee"
(SLA) unterstützen den Vertrag. "Damit haben wir erneut eine Situation wie
im Mai 2006", sagte Delius. "Auch damals wurde ein
Darfur-Friedensabkommen zwischen der sudanesischen Regierung und einer
Freiheitsbewegung abgeschlossen, obwohl es dafür keine breite Unterstützung
gab. Daraus lässt sich nur folgern: Jeder Separatfrieden ist in Darfur zum
Scheitern verurteilt. Leider hat die internationale Gemeinschaft aus dem
kläglichen Scheitern 2006 nichts gelernt und setzt wieder einmal nur auf das
Prinzip Hoffnung."
Das nun zur Unterzeichnung anstehende Friedensabkommen
von Doha nutzt nach Auffassung der GfbV den Flüchtlingen nicht. "Doch nur
allzu gern möchten die Europäische Union und die sudanesische Regierung den
Eindruck erwecken, in Darfur herrsche Normalität", sagte Delius. So
könnten die bilateralen Beziehungen schnell normalisiert und zur Tagesordnung
übergegangen werden, ohne sich mit den katastrophalen Folgen des Genozids für
die Vertriebenen im Westen des Sudan auseinandersetzen zu müssen. "Doch es
ist Selbstbetrug, wenn die internationale Gemeinschaft glaubt, damit vor Ort
Frieden zu schaffen."
"Dass Sudans umstrittener Staatspräsident Omar
Hassan al Bashir der Unterzeichnung beiwohnen wird, ist besonders
makaber", kritisierte Delius, "nicht nur weil Bashir per Steckbrief
von Interpol gesucht wird, sondern weil der er in einem Interview mit der
britischen Tageszeitung "Guardian" im April
2011 die persönliche Verantwortung für "alle
Geschehnisse" in Darfur übernommen hat. Das umfasst auch Völkermord und
Verbrechen gegen die Menschlichkeit."
Ulrich Delius ist zu erreichen unter Tel. 0160 / 95 67 14
03.