Panama: Mindestens ein Toter bei Protesten der Ngöbe-Buglé gegen die Regierung
09.02.1012
Der Protest der Ngöbe-Buglé eskalierte am Sonntag den 5. Februar 2012
als die Polizei, auf Anordnung des Sicherheitsminister José Raúl Mulino,
die Proteste aufzulösen begann. Im Zuge dessen kam es zu massiver
Gewaltanwendung von Seiten der Polizei. Diese endete im Tod des
26-Jährigen Jerónimo Rodríguez welcher durch einen Brustschuss getötet
wurde. Insgesamt 39 weitere Personen wurden zum Teil schwerverletzt,
mindestens 41 festgenommen. Daraufhin solidarisierten sich
Menschenrechtsgruppen, Umweltschützer und indigene Vertreter mit den
Protestierenden.
James Anays, UN-Sonderberichterstatter zu den
Rechten indigener Völker, rief zum Dialog zwischen der Regierung und den
Ngöbe-Buglé auf. Zeitgleich meldeten Vertreter der Emberá und Wounaan
eigene Proteste gegen die Regierung und ihre Solidarität mit den
Ngöbe-Buglé an. Gestern stimmte die Regierung Panamas dem Abzug der
Polizeipräsenz, der Freilassung der Verhafteten, medizinischer Hilfe für
die Verwundeten und Entschädigungszahlungen an die Familie des
Getöteten zu. Für Heute sind Verhandlungen geplant.
Hintergrund ist
die, seit dem 31. Januar diesen Jahres, andauernde Blockade
verschiedener Abschnitte der Panamerica Fernstraße durch Angehörige der
Ngöbe-Buglé, dem größten indigenen Volk Panamas. Diese protestierten
gegen die Missachtung ihrer Rechte durch geplante Bergbau- und
Wasserkraftprojekte auf ihrem ressourcenreichen Territorium im
Grenzgebiet zu Costa Rica und dem damit verbunden Gesetzesentwurf der
Regierung. Hatte diese zunächst zugestimmt, einen Artikel in das Gesetz
aufzunehmen der alle bestehenden Bergbau- und Wasserkraftkonzessionen
auf Ngäbe-Buglé Land beendet, nahm sie diesen im letzen Moment wieder
aus dem Gesetzesentwurf heraus. Das umstrittenste Projekt ist dabei der
geplante Kupferabbau durch kanadische und koreanische Firmen des Berges
Cerro Colorado. Daraufhin riefen Vertreter der Ngöbe-Buglé zur Blockade
der strategisch wichtigen Fernstraße auf. Die Polizei ging in den
vergangenen Tagen massiv gegen die Protestierenden vor, so wurden, neben
sich immer verstärkender Polizeipräsenz, zum Beispiel auch die
öffentlichen und mindestens zwei private Telefonnetze zeitweise außer
Betrieb gesetzt.
Weitere Informationen gibt es unter:
http://www.radiotemblor.org/
(Spanisch)
http://www.culturalsurvival.org/news/panama/campaign-update-panama-panama-government-and-ng-be-agree-dialogue
(Englisch)
http://www.un.org/apps/news/story.asp?NewsID=41161&Cr=Indigenous&Cr1=
(Englisch)