06.06.2011
Die Gesellschaft für bedrohte Völker kritisiert
die von der deutschen Bundesregierung angekündigte Rohstoffpartnerschaft mit
Kasachstan, da der zentralasiatische Staat grundlegende Menschenrechte und
internationale Konventionen verletzt. "Wenn ein Staat willkürlich
Völkerrecht bricht, dann ist auf ihn auch in einer Rohstoffpartnerschaft kein
Verlass", warnte der GfbV-Asienreferent Ulrich Delius am Montag. Erst in
der vergangenen Woche hat Kasachstan GfbV-Angaben zufolge die Genfer
Flüchtlingskonvention in grober Weise verletzt: Kasachische Behörden übergaben
chinesischen Sicherheitsbeamten einen uigurischen Flüchtling aus China, obwohl
er von den Vereinten Nationen als Flüchtling anerkannt ist. Dem Abgeschobenen,
dem 38 Jahre alten ehemaligen Lehrer Ershidin Israil, droht in China die
Todesstrafe.
"Kasachstans Regierung ist China hörig. Da werden
selbst internationale Konventionen einfach vom Tisch gewischt", sagte
Delius. "So wird auch die Rohstoffpartnerschaft Deutschlands mit
Kasachstan vom guten Willen Pekings abhängig sein."
Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler hatte am 24. Mai 2011 eine
Absichtserklärung unterzeichnet, ein Regierungsabkommen mit Kasachstan über
eine Rohstoffpartnerschaft abzuschließen.
Die GfbV ist in großer Sorge um die Gesundheit und das
Leben des abgeschobenen Uiguren, Israil war seit Juni 2010 in kasachischer
Auslieferungshaft. Offiziell wirft China dem politischen Flüchtling - wie den
meisten uigurischen Menschenrechtlern - "terroristische Aktivitäten"
vor.
Seine Familie ist jedoch davon überzeugt, dass der Mann
aus der Stadt Gulja gesucht wird, weil er Details über die Ermordung des
politischen Gefangenen Shohret Tursun im September 2009 öffentlich gemacht hat.
Tursun starb aufgrund von Folter im Gefängnis. Auf Druck der
Behörden musste seine Familie den Toten sofort nach Freigabe der Leiche
bestatten, obwohl der Leichnam zahlreiche Verletzungen aufwies.
Israil flüchtete in einem viertägigen Fußmarsch nach
Kasachstan und bat dort offiziell um Schutz. Er fürchtete, in China erneut
verhaftet zu werden.
Bereits 1999 war er wegen seines Engagements für die
Rechte der Uiguren zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt worden. Gleichzeitig
bemühte sich Israil um Asyl in Westeuropa. Schweden stimmte zu, ihn
aufzunehmen.
Doch unmittelbar vor seiner vor seiner Ausreise wurde der
Uigure festgenommen.
Ulrich Delius ist zu erreichen unter Tel. 0160 / 95 67 14
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